Waldorfpädagogik in Luzk West-Ukraine

Im August 2015 fand in Luzk, im Nord-Westen der Ukraine, das erste Seminar für Waldorfpädagogik in der öffentlichen Stadtbibliothek statt. Im Vorfeld waren bereits einige Artikel in verschiedenen Medien über diese für die Ukraine noch neue und unbekannte Pädagogik erschienen, so dass das Interesse  vor allem bei vielen jungen Müttern groß war. Sie  erleben wie eine das öffentlichen Schulsystem prägende materialistisch-naturwissenschaftlich Pädagogik mit alten  postsowjetischen Denk- und Handlungsmustern ihren Kindern nicht gut tut und sie Neues wollen.

Das war der große Impuls und Anfang der Waldorfpädagogik in Luzk. Im Seminar wurden in öffentlichen Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops mit künstlerischen Übungen  die Grundlagen der Waldorfpädagogik vorgestellt, welche sich auf einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung des Wesen des Kindes begründet und Lehrer will, die mit künstlerisch-praktischen Mitteln die sich entwickelnden Individualität des Kindes fördern.

Erste Schritte 

Nach dem Seminar im August 2015 herrschte in Luzk eine große Begeisterung für Waldorfpädagogik. Seit diesem Ereignis finden wöchentlich Treffen statt, um sich mit dem Thema Waldorfpädagogik und Anthroposophie praktisch auseinanderzusetzen. Unter anderem besprechen wir die Entwicklung der Waldorfpädagogik in der Ukraine und lesen die Arbeiten von Rudolf Steiner.

Im Laufe des Jahres 2016 besuchten wir alle Waldorfschulen und Waldorfkindergärten in der Ukraine und zusätzlich die Schulen und Kindergärten, welche die Grundprinzipien der Waldorfpädagogik anwenden. Unsere Mädchen begannen am ukrainischen Waldorflehrerseminar in Kiew / Dnipropetrowsk / Odessa mit der Lehrer- und Erzieherausbildung, welche sie voraussichtlich im Januar 2018 abschließen. Zwei von Ihnen möchten Erzieherinnen werden und drei Waldorflehrerinnen.

Weiterhin gibt es regelmäßig öffentliche Seminare zur Waldorfpödagogik und Anthroposophie mit eingeladenen Dozenten.

Gründung einer öffentlichen Bürgerorganisation 

Im November 2015 wurde ein Verein gegründet, als eine öffentlich-rechtliche Bürger-Organisation, dessen Ziel es ist, die Methoden der Waldorfpädagogik in der Lehrerausbildung im Wohlynien Gebiet Nord-West Ukraine zu entwickeln und die Eröffnung von Waldorfkindergarten und Waldorfschule zu unterstützen. Der Name des Vereins „Zwölf“ wurde nach der Anzahl der Gründungsmitglieder benannt.

Von öffentlichen staatlichen Stellen, erhalten wir bisher nur wenig, bis gar keine Unterstützung,  weil die Regierung selbst nur wenig Kenntnisse über Waldorfpädagogik hat. Auch kann sich mit Politikern schwer eingelassen werden, weil man dann bei deren Auf- und Abstieg an sie gebunden ist. Eine wirtschaftliche Förderung (Sponsoring) durch lokale Unternehmen ist schwierig und nicht immer förderlich, wie sich in den vergangenen eineinhalb Jahren gezeigt hat, weil von wirtschaftlichen „Mäzenen“ vor allem das westliche Image der Waldorfpädagogik zum eigenen Vorteil gesehen wird. Zudem ist die gesamte wirtschaftliche Lage der Ukraine zur Zeit sehr schwach und instabil, so dass einer jeder auf sich selbst gestellt ist.

Leider gibt es auch viel Gegenwind von anderen Organisationen. Insbesondere diverse religiöse Vereine lehnen die Waldorfpädagogik kategorisch ab. Sie verbreiten sogar eine Ängste, dass die Waldorfpädagogik negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern haben kann.

Arbeit mit Kindern 

Unbeeindruckt von vielen Gegenmeinungen glauben wir an den Erfolg unserer Arbeit. Im Sommer 2016 gelang es uns einen 3-wöchigen Ausflug für die Kinder zu organisieren. Wir arbeiteten mit Kindern zwischen 4 und 11 Jahren, spielten verschiedene Spiele, sangen Lieder auf verschiedenen Sprachen, kochten abwechslungsreiche Essen, erzählten und spielten zahlreiche Märchen und lernten die Natur kennen. Dieser Ausflug erwies als voller Erfolg, weil wir die positiven Veränderungen an den Kindern buchstäblich täglich wahrnahmen. Selbst Kinder, die zu Hause oft am Computer saßen, wenig draußen waren und völlig verschlossen durchs Leben gingen, öffneten sich in den drei Wochen und fingen an, die Natur bewusst wahrzunehmen. Sie befreiten sich vollständig von der Angst etwas Falsches zu tun und zeigten kein Interesse an ihren alten Gewohnheiten.

Dieser Ausflug hat uns vom gesamten Konzept der Waldorfpädagogik restlos überzeugt. Wir sind uns 100 prozentig sicher, dass die Methoden der Waldorfpädagogik Kinder positiv verändert.

Unser Haus für einen Waldorfkindergarten 

Im Dezember 2016 fanden wir endlich ein geeignetes Haus, in dem sich eine Gruppe von Kindern zusammenfindet, die später zu einem Waldorfkindergarten heranwachsen kann. Auch haben wir eine Gruppe von Schülern der 1. bis 5. Klasse, mit denen nachmittags gemalt, gesungen oder gespielt wird. Hier können wir die in der  Erzieher- und Lehrerausbildung gewonnen Erfahrungen mit den Kindern bereits anwenden und lernen so jeden Tag Neues. Wir stehen mit vielen Eltern im Kontakt, die bereit sind, ihre Kinder in der Gruppe anzumelden.

Unsere Aufgabe ist es in der nächsten Zeit eine Grundausstattung für den Kindergarten zusammenzutragen. Leider wird der Verein finanziell nicht gefördert und die Miet- und Energiepreise sind in der vergangenen Zeit unglaublich stark in der ganzen Ukraine angestiegen, so dass Einnahmen gerade die Unterhaltskosten der Räumlichkeiten decken.

Alle bisherigen Veranstaltungen finanzierten wir mit unserem eigenen Geld. Wir möchten um jeden Preis vermeiden, dass der Verein, die Waldorfpädagogik eine Art Privatclub ist, welcher nur Kinder aus wohlhabenden Familien aufnimmt. Vielmehr möchten wir eine Einrichtung schaffen, die in der Lage ist, jedes Kind aus jeder sozialen Schicht aufzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, suchen wir dringend Sponsoren!

Wir glauben an den Erfolg der Waldorfpädagogik und glauben dass die Arbeit, die unser Verein ausübt von enormer Wichtigkeit für die Entwicklung der Kinder in unserer Region Luzk / Wohlynien in der Nord-West Ukraine ist.